Ulrich Barnickel

Ulrich Barnickel | Schlitz | Bildhauer


Ulrich Barnickel verquickt das Reale mit dem Irrealen. Er sucht die Widersprüchlichkeit der erfahrungsmäßigen und der imaginären Elemente (in) der künstlerischen Darstellung zu negieren und verzichtet bewußt auf eine rational akzeptable Erklärung ihres Zusammenhangs. Der Künstler will keine Antworten finden, er wirft Fragen auf.

Prof. Dr. Karl Schawelka über das Werk Barnickels (Textauszug):
"Ulrich Barnickel gewinnt dem Prozess jedoch anthropomorphisierende Gestaltungen ab, die aus dem Herstellungsprozess nicht ohne weiteres hervorgehen, sondern in einer gewissen Spannung zu ihm stehen, eine Spannung zwischen ablesbarer, ehrlicher Herstellung, der er die Hauptaussage seiner Werke anvertraut und der dennoch erzielten Zartheit der Empfindung. Eisen ist ein Material, das der Gestaltung einen erheblichen Widerstand entgegensetzt. Es geht nun nicht einfach darum, diesen Widerstand zu überwinden und dem Material den Willen des Künstlers aufzuzwingen, sondern in eine Art Dialog einzutreten, so dass am Schluss das Material sozusagen von sich aus tut, was es soll. Dazu muss der Künstler – und Barnickel ist einer - über die Fähigkeit des projektierenden Hineinsehens verfügen, das heißt auch ein guter Beobachter sein und die halb zufällig entstandenen Resultate seiner Eingriffe respektieren und sie zur Grundlage weiterer Bearbeitungen machen, auch wenn dies erfordert, die ursprüngliche Intention aufzugeben.

Als ausgebildeter Schmied hat Barnickel, was man eine „schwere Hand“ nennt, die physisch anstrengende Arbeit wird keineswegs geleugnet, doch schreiben wir seinen Objekten ohne weiteres eine menschliche Intentionalität zu. Das Zusammenspiel von Auge und Hand beim Begreifen und Erfassen – man beachte die taktile Metaphorik - lässt sich über die Immaterialität des Bildes oder der Medien nicht erlernen. Wir verleihen den Objekten Bedeutung, die wir aber als vom Objekt ausgehend erleben. Sicher handelt es sich dabei um eine Art Fetischismus, aber dieser Fetischismus ist so tief in der menschlichen Psyche verankert, dass ohne ihn weder Sozialbeziehungen möglich wären, noch Kunst. Was man die theory of mind nennt, die Fähigkeit, anderen Menschen die selben inneren Empfindungen zuzuschreiben, die man bei sich wahrnimmt, scheint hier beteiligt zu sein.
(...)
In allen menschlichen Kulturen finden wir, dass sie einen Unterschied machen zwischen Artefakten und natürlichen Objekten. Es scheint hier eine biologische Komponente vorzuliegen, die das Ablesen von Intentionen aus von Menschen gemachten Objekten ermöglicht, das ja offensichtlich überlebensrelevant ist. Menschen sind die einzigen Lebewesen, die über Objekte, losgelöst von unserem Leib kommunizieren können und unabhängig von der Anwesenheit desjenigen, der die Botschaft aussendet. Trotz der Tatsache, dass Skulpturen wie die von Ulrich Barnickel nur in unserer Zeit entstehen konnten, wird von ihm eine gewisse Nähe zu prähistorischem Material, auch wenn wie erwähnt, eisenzeitliche Werke besonders vergänglich und kaum erhalten sind, durchaus gesucht und erstrebt, was sachlich gesehen auch kein Zufall ist. Die alten Menschheitsfragen: Wer sind wir, woher kommen wir, was heißt es, ein Mensch zu sein, wozu sind wir hier, denen wir eben auch in prähistorischen Sammlungen nachsinnen, beantwortet er auf seine Weise und für unsere Zeit."


Vita Dr. Ulrich Barnickel
     1955 geboren in Weimar
          Ausbildung zum Schmied
  1978-84 Studium Metallplastik/Bildhauerei an der Burg Giebichenstein, Halle (Saale)
     2007 Dr. phil. an der Bauhaus Universität zu Weimar

Preise / Auszeichnungen:
Aart's Masters Paris Monaco
Médaille d'honneur '99, 2ème Festival de Saumur
2. Platz Kunst am Bau, Finanzministe­rium Erfurt

Arbeitsaufenthalte:
Kunstfe­stival 1994 Frankenberg | Symposion '95 Lohndorf | 1998 Holzsymposium Hojer, Dänemark | 1999 Holzsymposium Hojer, Dänemark | Scheßlitz, Symposium Juraklinik 1999 | Keitum, Keitumer Skulptur Tage 99 | Havanna, Kuba, Codema 2000 | Keitum, Keitumer Skulptur Tage 2000 | 2001 Schweiz, Grindelwald | 2002 Türkei, IAM Gastkünstleraufenthalt | 2004 Tibet, Exped. Hist. Kettenbrücken | 2005 Namibia | 2007 Namibia | 2008 Oman

Ausstellungen (Auswahl)
1986 München, Haus der Kunst
1987 München, Haus der Kunst
1988 Wiesbaden, Projekt Kunsthaus
1989 Wiesbaden, Kunsthaus (E)
1991 Frankfurt, Paulskirche, BBK | Hannover, Handwerksforum, „Metall und Email, Irmtraud Ohme und Schüler"
1992 Gera, Küchengarten, „Eisengarten - Metallgestaltung im Park"
1993 Paris, Parc de la Courneuve, „Art grandeur nature" | New York, Convention Center, „German Crafts" |
     Wiesbaden, Kunsthaus, „Tierstücke"
1995 Leipzig, Grassimuseum, „Metallplastik, Burg Giebichenstein, Klasse Prof. Irmtraud Ohme, 1980 - 1995"
1996 Heilbad Heiligenstadt, Literaturmuseum „Theodor Storm", „Metall" (E) |
     Kobe, Japan, Internet-Projekt der B-Place-Gallery
1997 HH-Blankenese, Galerie Augenart (E) | Karlsruhe, Kirchenamt, „Melanchton" |
     Bretten, Galerie Uta Goppelsröder | Plauen, Galerie Malzhaus, (an)sichten–(an)gesichter
1998 Wittenberg, Cranach-Stiftung, Stadtkirche (E) | Monaco, Aart's Masters Paris Monaco |
     Paris, Salon d'Automne | Apolda, Glockenmuseum, „Eisenskulptu­ren Ulrich Barnickel" (E)
1999 Aachen, Galerie Hexagone (E) | Wiesbaden, Villa Clementine (E) | Chemnitz, Galerie Rosenkranz (E) |
     Saumur (Frankreich), 2ème Festival | Paris, Itinéraire 99
2000 Schlüchtern, Kulturhaus Synagoge (E) | Paris, Salon d'Automne | Aachen, Ludwig Forum
2001 Weimar, Kunsthalle, „Reminiscence" (E) | Hannover, Galerie im Tiedthof (E) | Memmingen, Antoniersaal (E) |
     Wiblingen, Schloss-Galerie | Westerhever, Sommeratelier Nelting, „lamm-schaf-widder" |
     Bad Hersfeld, Kapitelsaal Museum | Magdeburg, Galerie Himmelreich | Euskirchen, „Euro‑Matinee" |
     Frankfurt, BBK-Centrum, „Köpfe-Schädel-Häupter"
2002 Rosenheim, „Werkraumgalerie" (E) | Hünfeld, Museum Modern Art
2003 Arnstadt, Kunsthalle (E) | Lublin, "S ZTUKA REDUKTYWNA „ | Düsseldorf, Castart 4 |
     Hünfeld, Museum Modern Art | Plauen, Strasse der Skulpturen
2004 Burghaun/Fulda, Galerie Liebau (E) | Schweiz/Glarus, Stiftung Skulptura | Erfurt Finanzzentrum
2005 Kleinsassen, Kunststation (E) | Polen/Lodz, Argumenta | Wien/ MOTIVA/ Austria Center
2006 Bamberg, Galerie Sculptur (E) | Groß Grönau Galerie Müller& Petzinna
2007 St. Augustin Galerie Radicke | München, Figuren aus Metall
2008 Meiningen "Figuren aus Metall" | Celle "Figuren aus Metall" | Bamberg "Figuren aus Metall" |
     Aachen, Galerie Hexagone
2009 Erfurt EGA
2010 St. Augustin Galerie J. Radicke (E) | Kunststation Kleinsassen (E) | Leipzig Vorortost Galerie
(E) = Einzelausstellung

Werke in Museen und Sammlungen:
Point Alpha "Weg der Hoffnung" | Wiesbaden, Kulturamt | Niederlande, Museum Beelden aan zee | Fulda, Sammlung Adam | Mannheim, Galerie EGO ART | Rockenhausen, Museum Pachen, Deutsche Kunst 20. Jhdt. | Fulda, Galerie Bilder-Fuchs | Fulda, Vonderau-Museum | Hamburg-Blankenese, Galerie Augenart | Hamburg, Sammlung Voigt | Hamburg, Sammlung Bittorf | Deutscher Beamtenbund, Berlin | Mainz, Sammlung Schneider | Türkei, Sammlung der Internationalen Akademie (IAM) Istanbul | Birmingham (GB), Sammlung Wolf | Aventoft, Sammlung Leseberg | Havanna (Kuba), Sammlung CODEMA | Fulda, Sammlung Helios-Gruppe | Südafrika, Kapstadt, The Planet Arts | Halle, Burg Giebichenstein


Mehr lesen über Ulrich Barnickel:
20 Barnickel-Skulpturen als Hoffnungsgeber am "Weg der Hoffnung"

Arbeiten von Ulrich Barnickel in der Galerie Liebau:
Ausstellung "Skulpturensommer 2013" | 12. April bis 20. Oktober 2013