„Willkommensskulptur“ zum Hessentag 2012 in Wetzlar von Alf Becker

Die Skulptur "Triade" von Alf Becker, anlässlich des Hessentags auf dem Bahnhofsvorplatz in Wetzlar.
Bildquelle: Alf Becker, Allendorf


Skulptur ziert den Bahnhofsvorplatz

Einen Mittelpunkt schaffen
Wetzlar. Wetzlar ist Hessentagsstadt. Das ist bekannt. Dass das Land der Stadt dazu etwas schenkt, ist weniger geläufig. Und dass es sich um eine Skulptur handelt, wissen eigentlich nur Kunstfreunde im Städtchen. "Triade" heißt das Werk von Alf Becker für den neuen Bahnhofsvorplatz. Am Dienstag hat der Aufbau begonnen.

Sie muss etwas aushalten können, die Skulptur. Nicht nur, weil sie zuerst ein mehrfaches "Casting" durchlaufen hat (die Entscheidung fällte das Stadtparlament Mitte November), sondern auch, weil sie sich nun an Ort und Stelle wird behaupten müssen. Die Kunst hat mächtige Nachbarn: das "Forum" und den neuen Busbahnhof. Nun, diese Arbeit von Becker hat - übrigens als einziger eingereichter Entwurf - das Zeug, sich dieser Massen zu erwehren. Und sie birgt zudem das Potenzial für einen beliebten Treffpunkt, wo Er auf Sie, der Enkel auf die Oma wartet. Alf Becker sieht diese Chance, er freut sich, wenn seine Kunst angenommen wird. Wie etwa die Skulptur "Balance" des Bildhauers aus Allendorf-Lumda, die im Skulpturenpark Colchester-Anlage steht. Und nun kommt wohl in der nächsten Woche das große Werk auf dem Bahnhofsvorplatz hinzu.

Etwas spröde wirkt die Arbeit schon, sicher, aber sie hat Witz und Hintersinn, vereint die bildnerische Sprache Beckers, der einfache geometrische Formen liebt und mit ihren spielt, mit Symbolik. Aus gut 30 Jahren als freischaffender Künstler weiß er: "Einfache klare Formen sprechen den menschlichen Geist eher an als verschnörkelte Wendungen." Becker hat den Bezug "Mensch - Fortschritt - Natur" im Blick, verleiht ihm Ausdruck, indem er mal Stahl mit Stein kombiniert, mal "erdet" er die Kunst, lässt sie scheinbar im Boden verschwinden und wieder auftauchen. Und mal ist, wie in "Triade", der Aspekt Fortschritt prägnant. Denn für Becker ist Wetzlar eine Industriestadt, geprägt von Buderus Edelstahl. Da war die Verwendung von Edelstahl, insgesamt eine Tonne hat er gestaltet, fast zwingend: Ein Ring (Durchmesser 2,28 Meter) und eine halbe Scheibe (2 Meter). Der Künstler hatte mit Corten-Stahl (er rostet an der Oberfläche und schafft so eine Patina) geliebäugelt, stieß aber nicht auf Gegenliebe. Nun ist es eben Edelstahl (sechs Millimeter stark). Die Scheibe entspricht dem Innendurchmesser des Rings und ist im 45-Grad-Winkel in den Boden eingelassen. Die fehlende Fläche wird im Boden durch eine 32 Millimeter dicke Panzerglasplatte optisch wieder zu einem Rund ergänzt. Und diese Glasplatte wiederum ist mit einem Leuchtmittel versehen. Ein Faseroptik-System lässt die Skulptur in verschiedenen Farben erstrahlen, für Becker der Bezug zu moderner Lichttechnik und zum Optikparcours. Und durch das Licht bekommen Standort und Skulptur eben ihre zusätzliche Bedeutung als Treffpunkt, denn sie sind auch für Bahnreisende abends und nachts bei der Ankunft schon weithin sichtbar.

Als erstes Element steht seit Dienstag die Diabas-Stele
Apropos Reisende: Der senkrecht gestellte Ring ist raumübergreifend auf dem kreisförmigen Pflaster in Richtung Bahnhof positioniert und symbolisiert ein (An-)Kommen und Gehen, Ankunft und Abreise. Die Grundfläche (3,70 Meter Durchmesser) betone die Wichtigkeit des Standorts: Zwischen "Forum" und Bahnhof bilden Werk und Platz für Becker einen innovativen Mittelpunkt in der Stadt. Die drei Elemente werden ergänzt durch die am Dienstag aufgerichtete Diabas-Stele. Diabas als heimisches Material unterstreicht die Bedeutung des Ortes und steht formal wie vom Material her im Kontrast zum Edelstahl. Die Stele stammt aus einem Steinbruch bei Lixfeld, wo Becker aus einem etwa zehn Tonnen schweren Brocken - "Es war gar nicht einfach, so einen großen Stein zu finden" - die drei Tonnen schwere Säule (2,60 Meter, 50 mal 50 Zentimeter) geschlagen hat. Und auch der Titel hat eine Bedeutung: "Triade" deutet auf eine Konstellation von drei Elementen hin, die eine Beziehung zueinander aufbauen, im optischen wie im symbolischen Sinne. Becker: "Die Skulptur wird zu einem Mittelpunkt in der Stadt und bildet gleichzeitig eine Verbindung zu Bahnhof und sie umgebender Architektur". Hoffentlich bauen auch die Menschen, die kommen, gehen und bleiben eine Beziehung zu der Kunst auf; nicht nur zum Hessentag.

Von Gert Heiland, mittelhessen.de
Quelle: Artikel auf mittelhessen.de vom 27. März 2012


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