Ausstellung in der Galerie Liebau: Ehepaar mit starken Aussagen

Foto: Karl-Heinz Burkhardt


BURGHAUN Das künstlerische Duett eines aussagestarken Paares ist derzeit in der Burghauner Galerie Liebau zu erleben: Dort präsentieren Volkmar Kühn (Skulpturen) und Marita Kühn-Leihbecher (Papierkunst) bis 23. Dezember ihre Werke.

„Diese besondere Ausstellung hat mir als Galerist schon viel Spaß gemacht“, betonte Günter Liebau bei der Vernissage, und die zahlreichen Gäste konnten das gut nachvollziehen. Es gibt jede Menge zu entdecken in der kreativen Welt der thüringischen Eheleute, die mitgeprägt ist durch ihr Leben und Arbeiten in der ehemaligen Klosteranlage von Mildenfurth/Wünschendorf nahe Gera.

In dieser Anlage haben auch Kühns Plastiken ihr Zuhause, darunter der eindrucksvolle „Mildenfurther Kreuzmensch“ mit seinen ausgebreiteten Armen, der das frühere Prämonstratenserkloster zu umfangen scheint und wohl für die (Glaubens-)Botschaft dieses Ortes steht. Eine kleinere Version der Figur ist in der Galerie Liebau zu sehen, zusammen mit 26 weiteren Skulpturen des 1942 geborenen, vielfach ausgezeichneten Volkmar Kühn, den Liebau als einen großen Bildhauer der ehemaligen DDR vorstellte.

Fast all seine Ausstellungsbeiträge sind detailreich in Bronze gearbeitet – bis auf eine besonders lebendig wirkende Büstengruppe aus gebranntem, bemaltem Ton, bei der laut Kühn ebenfalls „eine kirchliche Thematik mitspielt“. Das Werk besteht aus bekleideten Mitra-Männern und aus Frauen, die höchstens eine helmartige Maske tragen und sich mit ihren markanten, kühn-typischen Händen zum Betrachtenden hinwenden. Die offensichtlich klerikalen Männer sind hier eher im Hintergrund, aber beide Geschlechter befinden sich – wie der Titel sagt – „auf gleicher Ebene“, was in kirchlichen Zusammenhängen nicht immer gilt.

Papier wird selbst zur Kunst
Von Kühns meisterlichen Arbeiten seien hier nur noch der „Kopftänzer“ genannt, bei dem ein Mensch leicht und grazil auf dem Haupt eines anderen balanciert, sowie die reizende Figur „Koala-Amme“. Das Miteinander von Tier und Mensch ist in Kühns Werk wesentlich. „Der 1942 in Thüringen Geborene setzt die Überzeugung um, dass vor Gott alle Geschöpfe gleich sind“, so Liebau.
Marita Kühn-Leihbecher hat wie ihr Mann Kunst studiert. Ihr Schaffen ist eine Hommage an einen meist alltäglich anmutenden, verzweckten Werkstoff: Wie sie bei der Vernissage formulierte, ist Papier bei ihr „nicht Kunstträger, sondern wird selbst zur Kunst“. Der Galerist würdigte die Symbolik ihrer präzise gestalteten Arbeiten mit geometrischen Ornamenten und Farbflächen. „Von ihnen geht eine meditative Kraft aus“, sagte Liebau und wies – mit Bezug zum Kloster – beispielsweise auf die Collage „Kreuzweg/Wegkreuz“ aus handgeschöpftem Papier hin.

Apropos handgeschöpft: Kühn-Leihbecher stellt ihr Papier selbst her – aus Grundstoffen, die sie aus Papiermühlen bezieht, dann zerkleinert und einweicht. Verwendete Fasern sind Baumwolle, Zellwolle, die Bambusfaser Abaca und Hanf. Bei ausschließlich handgeschöpften Werken „aus einem Guss“ werden von der Künstlerin verschiedene Schichten aufgebracht und auch eingefärbte Substanzen verwendet. Dieses Zusammenspiel macht das Papier zum Charakterstoff und erzeugt sehr „stille“ und sehr reizvolle Effekte, wie etwa Kühn-Leihbechers Arbeit „U vor X“ verdeutlicht.

Rainer Rueppell bereicherte die Vernissage mit virtuos vorgetragener klassischer Gitarrenmusik, die auch Kühns „Kopftänzer“ beschwingt haben dürfte.

Von Beatrix Nolte-Schunck, Bericht der Fuldaer Zeitung vom 03.11.2010


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Künstler der Galerie Liebau | Marita Kühn-Leihbecher
Künstler der Galerie Liebau | Volkmar Kühn
Pressebericht "Collagen aus handgeschöpftem Papier und Skulpturen aus Bronze und Terrakotta in der Galerie Liebau"

Arbeiten von Volkmar Kühn in der Galerie Liebau:
Ausstellung "Künstler der Galerie" | 01. Juli – 05. August 2012
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