Collagen aus handgeschöpftem Papier und Skulpturen aus Bronze und Terrakotta in der Galerie Liebau

Besonders mediativ sind die weißen Arbeiten von Marita Kühn-Leihbecher, davor Volkmar Kühns Bronzefiguren.
Foto: Christa Desoi


Kreativität explodiert

Burghaun. Wer sich die November-Tristesse vertreiben möchte, suche Kunst und Kultur auf. In der Galerie Liebau in Burghaun findet bis Ende des Jahres eine ausgesprochen interessante Ausstellung statt. Zwei preisgekrönte Künstler zeigen ihre Werke: Zur Vernissage mit Volkmar Kühn (Skulpturen aus Bronze und Terrakotta-Keramik) und Marita Kühn-Leihbecher (Handgeschöpftes Papier/Collagen) waren viele Kunstliebhaber erschienen.

Das Ehepaar bewohnt das ehemalige Kloster Mildenfurth. In den großen Räumen befindet sich ihr Atelier, dahinter der Klostergarten. Die Aura der alten Mauern aus den Urzeiten des Vogtlandes inspiriert beide.

Der 1942 geborene Volkmar Kühn war einer der großen Bildhauer der DDR. Seine diffizil gefertigten, ausdrucksstarken Bronzefiguren zeugen von jahrelang geschultem Formgefühl und präziser Handwerkskunst. Seine Kreativität explodiert förmlich mit jedem Unikat. Einige Körper tragen Tierköpfe. Kühn liebt Tiere und stellt sie wertegleich neben den Menschen. Einstmals war er als Tierpfleger im Leipziger Zoo für die Raubtiere zuständig.

Neben den Bronzearbeiten stellt Kühn plastische Werke, ins Monumentale gesteigerte Büsten (Terrakotta) aus. Sie erinnern an altrömische Zeiten. Der Betrachter spürt Kühns Freude am Modellieren. Ein empfindsames Einfühlungsvermögen für die exakten Maße weiblicher Formen war hier gestaltend. Dem Künstler scheint es am Sinn für Humor und Erotik nicht zu mangeln.

Wer sich an den oft erotischen Werken aufgerieben hat, kann sich von den Bildern und Collagen Marita Kühn-Leihbechers beruhigen lassen. Nüchtern erklärt sie, wie das handgeschöpfte Papier hergestellt wird: als Sujets nehme man Baumwolle, Zellwolle, Hanf oder Bambus. Nach Einweichen des Rohstoffs (oft mit Farbe getränkt) tauche man das Sieb ein und stülpt die Masse auf einen Stoff zum Trocknen. Die Hände bearbeiten die Maische und geben ihr Struktur. Es entstehen ausdrucksstarke, luftige Farbspiele sowie interessante Collagen. Das hört sich einfach an. Zur Künstlerin macht Marita Kühn-Leihbecher, dass ihre abstrakten Kompositionen den Betrachter emotional ansprechen. Es ergibt sich ein spritziger, wohltuender Dialog. Die Werke strahlen Ruhe, Ordnung und Liebe zum Dasein in vielen Erscheinungsformen aus. Ihre künstlerischen Produkte stehen nicht in Schatten ihres Ehemanns. Das Oeuvre wirkt harmonisch. Sie scheint nicht nur seine Muße – sie hat das Raubtier in ihm gezähmt, auch oder mit ihrer Kunst.

Die musikalische Untermalung der Vernissage gestaltete Rainer Rueppel. In seiner Doppelrolle als Maler und Musiker findet er immer die passenden Töne. Die Galerie ist von Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 19 Uhr oder nach Absprache geöffnet. (chd)

Von Christa Desoi, Bericht der Hersfelder Zeitung vom 03.11.2010


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Künstler der Galerie Liebau | Volkmar Kühn
Pressebericht "Ausstellung in der Galerie Liebau: Ehepaar mit starken Aussagen"

Arbeiten von Volkmar Kühn in der Galerie Liebau:
Ausstellung "Künstler der Galerie" | 01. Juli – 05. August 2012

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