Der Kegelspielradweg im Test

Direkt am Kegelspielradweg gelegen: die Skulptur "Himmelsknospe" von Günter Liebau.
Foto: Galerie Liebau


Fuldaer Zeitung vom 30. April 2009
HÜNFELD Bis Mitte der 1970er Jahre sind hier Personenzüge entlang gefahren, haben an jeder Station gebimmelt, weshalb die alte Bahntrasse von Hünfeld nach Wenigentaft noch immer „die Bimbel“ genannt wird.
Auch heute ist vereinzeltes Läuten zu hören – dann, wenn ein Radler den anderen überholen will. Seit April 2007 ist die Bahntrasse ein Radwanderweg, der Kegelspielradweg.
Er ist 27 Kilometer lang, steigt von 270 auf 360 Höhenmeter an und startet wenig idyllisch: im Hünfelder Industriegebiet, unweit von McDonald’s. Je weiter der Radfahrer jedoch in Richtung des thüringischen Wenigentaft fährt, desto schöner wird die Umgebung. Schon bald sind kaum noch Motorengeräusche zu hören, nur noch das Singen der Reifen. Alle 500 Meter weist ein Schild darauf hin, wie viele Kilometer bereits geschafft sind.
Vorbei geht es am Ostbahnhof Burghaun, wo direkt am Radweg ein Café in einem Zugwaggon zum Rasten einlädt. Noch ist von Durst keine Spur, die Tour hat ja erst begonnen. Gemütlich geht es leicht bergauf. Vorbei an der Galerie Liebau in Burghaun, die mit einem bunten Kunstwerk auf sich aufmerksam macht, über das Viadukt Klausmarbach, eine 32 Meter hohe und 62 Meter lange Brücke, von der sich ein prächtiger Blick ins Haunetal bietet.

Per Fahrrad zu McDonald’s
Rennfahrer im Radlerdress kommen herangeflitzt, die sich auf dem ebenen Asphalt richtig auspowern können. Sie haben keinen Blick für die zahlreichen Bänke am Wegesrand, die zum Verweilen einladen. Angespornt durch die Sportler geht es weiter bergauf, vorbei an Steinbach und Betzenrod. Dort sind gerade Anna Hohmann (10), Nathalie Hohmann (13), Sophia Peter (12) und Marius Peter (9) in Richtung Hünfeld unterwegs. „Wir wollen zu McDonald’s“, sagt Anna. Das Quartett wohnt in Großentaft und ist öfter mal auf dem Kegelspielradweg unterwegs. „Die Natur ist schön, und es ist nicht anstrengend, hier lang zu fahren“, sagt Sophia und kichert. Wahrscheinlich freut sie sich auf eine große Portion Pommes, die nach der 17 Kilometer langen Fahrt als Belohnung auf sie wartet.
Während sich die Kids wieder auf den Weg machen und leicht bergab ihrem Ziel entgegen sausen, führt der Weg in Richtung Grüsselbach weiter bergauf. An Kilometer 12,5 ist es geschafft. Bei Leibolz ist der Scheitelpunkt. 360 Höhenmeter sind erreicht. Und der weite Ausblick auf die Hügel der Kuppenrhön entlohnt für den kleinen Anstieg. Saftiges Grün soweit das Auge reicht und zu den neun Hügeln des Hessischen Kegelspiels gesellen sich weitere Erhebungen – Kamelhöcker, 42 an der Zahl. Rechts, kurz hinter Leibolz grasen die 21 Wüstenschiffe gemütlich auf den Wiesen des Geflügelhofs Zintl. Vor dem Gatter steht Fabian Zintl, Sohn des Geflügelhof-Inhabers. „Wir bieten Kamel-Trekkingtouren an, haben Wasserbüffel, Lamas und einige Nandus“, erklärt er. Die südamerikanischen Laufvögel machen einen langen Hals, als sich die Besucher nähern und schauen ganz besonders garstig drein: Streicheln ist nicht.

In Grüsselbach ist Schluss
Vorbei geht’s an Großentaft und Treischfeld. Eine scharfe Linkskurve kurz vor Wenigentaft führt direkt über die ehemalige Landesgrenze Hessen-Thüringen zu einer Infotafel, an der ein Ehepaar aus Bad Hersfeld steht. „Wir fahren nachher wieder zurück, denn wir haben unser Auto in Hünfeld stehen“, erklärt die 67-Jährige, dann biegen sie zum Einkehren nach Wenigentaft ab.

Doch der Kegelspielradweg endet in Grüsselbach und bis dahin sind es noch etwa vier Kilometer. Über ein kurzes ungeteertes Schotter-Waldstück führt der Radweg entlang an einem kleinen Bach, der zum Picknick einlädt. „Brääder nie. Ess gettem Ang zoo“, feuert eine steinerne Tafel in Rhöner Mundart den Radler noch einmal an. Insgesamt 22 dieser Platten sind an der 27 Kilometer langen Strecke aufgestellt. Mit dem Projekt „Offenes Buch“ sollen vor allem Jugendliche wieder an den heimischen Dialekt herangeführt werden. Und dann ist es geschafft: Grüsselbach ist erreicht. Wer sich jedoch auf ein kühles Getränk in einem Café oder Biergarten gefreut hat, wird enttäuscht. Außer dem Bäckerauto, das hier ab und zu die Einwohner beliefert, gibt es keine Einkaufsmöglichkeit. Und so macht sich der Radler auf den Rückweg, in der Hoffnung, dass in den Gaststätten entlang des Radwegs noch ein Plätzchen frei ist. Bis dahin sind es aber noch einige Kilometer.

URTEIL
Schwierigkeitsgrad: familienfreundlich
Landschaft: ♦♦♦♦♦
Gastro/Rastpunkte: ♦♦♦♦
Freizeitangebot: ♦♦♦♦
Straßenverhältnisse: ♦♦♦♦♦
Gesamturteil: ♦♦♦♦½

Von Ute Fiedler, Fuldaer Zeitung
Quelle: Bericht der Fuldaer Zeitung vom 30. April 2009


Weitere Informationen zum Kegelspielradweg:
Offizielle Website

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