Gedenkstätte Point Alpha: 20 Barnickel-Skulpturen als Hoffnungsgeber am "Weg der Hoffnung"

Osthessen-News vom 08.02.2012
Foto: Patricia Kümpel


Monumental und bizarr schlängeln sich 20 eiserne Skulpturen am ehemaligen Kollonenweg neben dem "Haus auf der Grenze" des Point Alpha entlang. Sie prägen mitlerweile das Bild der Mahn- und Gedenkstätte zwischen dem thüringischen Geisa und dem hessischen Rasdorf. Die vier Meter hohen Kunstwerke bilden den "Weg der Hoffnung." In Anlehnung an den Kreuzweg Christi symbolisieren die vierzehn einzelnen Stationen auf 1,5 Kilometern Leid und Unterdrückung innerhalb der DDR-Diktatur und entlang der Deutsch-Deutschen-Grenze. Die Entstehung dieses ungewöhnlichen Weges hat der Fotograf Konrad Merz von seinen Anfängen bis zu seinem ’Einwachsen’ in die Umgebung ein Jahr nach seiner Errichtung, in Fotografien festgehalten. Am Dienstag wurde der daraus entstandene Bildband "Weg der Hoffnung – Der Kreuzweg am Point Alpha", der vom B3 Verlag in Frankfurt am Main verlegt worden ist, im "Haus auf der Grenze vorgestellt".

In einer Gesprächsrunde erläuterten Dr. Wolfgang Hamberger, Vorsitzender des Stiftungsrates der Point Alpha; Direktor Volker Bausch; der Schaffer der Skulpturen Ulrich Barnickel; Fotograf Konrad Merz; Verleger Norbert Rojan und Uwe Hahner, Pfarrer von Geisa; die Entstehung des Buches und den Werdegang des Projektes "Weg der Hoffnung".

"Wir hatten schon recht früh den Wunsch nach einem Kreuzweg in der Umgebung von Geisa und sahen uns immer wieder nach geeigneten Flächen um", erklärte Hahner. Berthold Dücker, Vorsitzender der Point Alpha Stiftung brachte schließlich die Idee eines "Gedenkweges" auf dem ehemaligen Todesstreifen mit dem Wunsch nach dem Kreuzweg zusammen. Nachdem ein bereits finanziertes Kunstprojekt auf dem Point Alpha scheiterte, rückte das Projekt "Weg der Hoffnung" in den Vordergrund und zusammen mit dem Künstler Ulrich Barnickel schritt man 2009 zur Tat. Am 3. Oktober 2010 - zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung Deutschlands - wurde das Werk vollendet.

"Die Idee des Kreuzweges ist zwar christlich geprägt und verwurzelt, verbindet sich aber hier mit Zeitgeschichte und Kunst als Möglichlichkeit zur Aufarbeitung der Vergangenheit. So ist der ’Weg der Hoffnung’ kein Kreuzweg im ’herkömmlichen’ Sinne, sondern bietet jedem, egal ob gläubig oder nicht, Gelegenheit zur Reflektion, zum Innehalten und zum Entdecken", betonte Wolfgang Hamberger die Universalität des Projektes. "Ein wesentlicher Aspekt des Kunstwerkes ist, dass man sich in der Szenerie frei bewegen und umherlaufen kann", beschrieb Barnickel. "Er selbst stamme aus der ehemaligen DDR und habe gemeinsam mit seiner Familie die Repressalien des Systems zu spüren bekommen. "Ich habe mir Gedanken gemacht, wie man die eigenen Erfahrungen und die daraus resultierenden Aussagen mit stilistischen Mitteln ausdrücken und darstellen kann und so die vierzehn verschiedenen Stationen geschaffen."

Sie tragen Namen wie "Willkür", "Leid", "Unterdrückung" oder "Trost" und ragen rostbraun aus der Landschaft hervor. Von der ersten Skizze der einzelnen Skulpturen bis hin zu ihrem Aufbau in der Werkstatt und ihrem Wirken innerhalb der Umgebung, hat der Fotograf Konrad Merz sie über mehrere Jahre lang in ihrer Entstehung und Entwicklung festgehalten und ihren Werdegang dokumentiert. "In 50 oder 100 Jahren wird man die Skulpturen am ehemaligen Todesstreifen noch immer sehen. Damit nicht in Vergessenheit gerät, wie diese entstanden sind und woher sie kommen, hielt ich es für wichtig, diesen Prozess nachhaltig festzuhalten und in Fotografien zu bewahren," beschreibt der Fotograf. Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, die dreidimensionale Skulpturen als zweidimensionale Fotografien in optimaler Wirkung abzulichten. Recht bald enstand die Idee, die Bilder auch in einem Bildband zu verewigen. Schwierig sei, bei der Zusammenstellung das richtige Maß für die Textanteile zu finden, "genug, um zu verstehen, aber nicht zuviel, um die Bilder und Skulpturen für sich stehen zu lassen."

Bericht osthessen-news.de vom 8. Februar 2012


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Ausstellung | 13. April bis 30. September 2012

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