Jens-Lorenzen-Ausstellung in Burghaun

Im Zentrum der Burghauner Ausstellung: Jens Lorenzens "Stählerner Kapitän".
Foto: Galerie Liebau


Papst, Poesie und Produktwerbung

Ein Highlight im Kunstjahr: Jens-Lorenzen-Ausstellung in der Galerie Liebau

BURGHAUN Der Berliner Maler Jens Lorenzen hat in den vergangenen Jahren den Kunstmarkt von Zürich bis Miami erobert. Ein Glücksfall, dass einige seiner Werke derzeit in der Galerie Liebau in Burghaun zu sehen sind.

Andy Warhol kann es nicht gewesen sein. Als der Künstler der Welt 1962 die Suppendose als Kunst servierte, hatte Jens Lorenzen noch Strampelhosen an. Vielleicht waren es später Ariels Klementine, Marlboros Cowboy oder Niveas Blondine, die ihn nicht mehr los ließen. Markenprodukte und die dazugehörige Werbung jedenfalls prägen das Werk des Berliners wie bei kaum einem anderen Maler. Nur dass Lorenzen in der massenhaften Vervielfältigung von Werbebildchen, wie sie weiland Warhol zelebrierte, eben nicht das Kunstpotenzial von Industrieprodukten sieht. Indem er Logos und Werbekampagnen einbindet in übergeordnete Motive, entstehen Geschichten – und die Marken erhalten einen individuellen Wert. Der Blick in der Galerie Liebau fällt zunächst auf den großformatigen „Stählernen Kapitän“: Im Mittelpunkt einer der jüngeren Lorenzen-Arbeiten steht ein Marine-Offizier der „Panzerkreuzer Potemkin“-Zeit, umgeben von russischen Zeitungsausschnitten sowie Produkten, die mit der Seefahrerei assoziiert werden: Ahoj-Brause, Fisherman’s Friend, Popeye. Dicke Schichten bunter Ölfarbe verweben die unterschiedlichen Motive zu einem Ganzen, das auf den Betrachter plastisch, fast freskenhaft wirkt.

Zürich bis Miami vertreten

Wer Jens Lorenzen zuhört, wenn er seine Bilder erklärt, hört Poesie. In den Bilderzyklen „Die Mauer“ betreibt der 49-Jährige sein faszinierendes Spiel mit Assoziationen und Zitaten bis zum Exzess: Jedes Bild – es gibt inzwischen Dutzende – passt exakt an das Nächste. So entstehen ein endloses Bild und eine endlose Geschichte. Lorenzen dekonstruiert auf diese Art historische Ereignisse, setzt sie mit Hilfe der Werbung neu zusammen und gibt ihnen manchmal eine verblüffende, oft banale, zuweilen aber auch komplexe Wendung. Als einer der bedeutendsten Vertreter zeitgenössischer Pop-Art ist Lorenzen mittlerweile in wichtigen Kunstsammlungen präsent, von Zürich bis Miami sind seine Ausstellungs-Exponate meistens rasch verkauft. Dass die Galerie Liebau in Burghaun im Rahmen einer Sammelausstellung nun einige Werke des Berliners präsentieren kann, ist ein Glücksfall, aber kein Zufall. Lorenzen ist nämlich kein Emporkömmling, sondern hat sich seinen Erfolg hart erarbeitet. Bereits vor zwölf Jahren, als ihn kaum jemand kannte, war der Künstler erstmals in der Galerie Liebau zu Gast. Seitdem waren seine Werke schon viermal in Burghaun ausgestellt. Galeristin Doris Liebau fasziniert vor allem die „bescheidene, überhaupt nicht abgehobene Art“ des Künstlers. Die Bedeutung der Ausstellung unterstreicht wohl auch die Tatsache, dass sogar die „Bild“-Zeitung ein Team in die Provinz entsandte und der Burghauner Lorenzen-Ausstellung fast eine halbe Zeitungsseite widmete.

Prominente Fans

Zu den Fans des Künstlers gehören auch Promis wie Tom Cruise, der vor einiger Zeit bei den Dreharbeiten zum Film „Operation Walkyre“ in Berlin auf Lorenzen aufmerksam wurde. Oder der Papst: Lorenzen überreichte vor wenigen Wochen Benedikt XVI. zum fünfjährigen Amtsjubiläum bei einer Privataudienz eine künstlerisch verfremdete Titelseite der „Bild“-Zeitung vom 20. April 2005, jenem Tag, an dem das Blatt verkündete: „Wir sind Papst!“ Eine Lithografie, wie sie der Künstler dem Pontifex überreichte, ist auch in der Galerie Liebau zu sehen. Und auch hier beeindruckt das assoziative Spiel mit den Marken. Da schweben um den Papst herum drei Glocken als Logo der gleichnamigen Nudel-Firma, eine Packung Klosterfrau Melissengeist, Lord-Zigaretten und der angebissene Apple-Apfel als Symbol der Sünde. Viel Raum für Geschichten und Interpretationen: Ist die Institution Kirche etwa eine Firma wie andere, die mit Nudeln oder Tabakwaren handeln? Und was passiert mit dem Glauben, wenn die Kirche Pleite geht? Im dominanten Bunt von Lorenzens Markenkult verblassen für einen Moment die anderen Objekte der Sammelausstellung. Dabei sind die Werke von Lothar Nickel und Franco Scuderi nicht weniger packend. Der Bildhauer Nickel, der in Langenschwarz lebt, haucht Blöcken aus Carrara Marmor Leben ein und schafft Kreaturen wie das „Himalama“. Der Italiener Scuderi setzt aus Holzklötzchen, die er aussägt und lackiert, plastische Bilder zusammen. So verschieden die drei Künstler sind, gemeinsam ist den Werken ihre Verspieltheit – und der Raum für Interpretation.
Galerie Liebau. Rhönblickstraße 63, 36151 Burghaun. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 15 bis 19 Uhr.

Von Bernd Loskant, Fuldaer Zeitung vom 7. Mai 2010


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Artikel Bild Frankfurt "Lorenzen in Burghaun" vom 17. April 2010
Bild-Artikel vom 15. April 2012 zur Papstaudienz von Jens Lorenzen
Bundesaußenminister Westerwelle besucht Jens Lorenzen auf der "Art Fair" Köln
Schlagzeile wird Kunst – DAS PAPST-„BILD“-BUCH von Jens Lorenzen (FZ 17.03.2012)

Videos zu Jens Lorenzen:
Privat-Audienz für BILD und Jens Lorenzen beim Papst, Video vom 15.04.2010
BILD besuchte Jens Lorenzen in seinem Atelier, Video vom 15.01.2010

Arbeiten von Jens Lorenzen in der Galerie Liebau:
Ausstellung "Künstler der Galerie" | 01. Juli bis 05. August 2012

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