Karriere: Siegfried Räth malt seit seiner Kindheit

Mit leuchtenden Farben hat Siegfried Räth nicht immer gemalt. Auch eine düstere Phase hatte der Künstler.
Foto: Karl-Heinz Burkhardt


BURGHAUN Zum Reden mag er nicht ins Büro der Galerie Liebau in Burghaun gehen. „Lassen Sie uns hier zwischen den Werken bleiben, da fühle ich mich am wohlsten“, sagt Siegfried Räth und lächelt wie ein Junge, der etwas ausgefressen hat.

Mit „Werken“ meint der 46-Jährige seine eigenen Bilder, die er einige Wochen lang in der Galerie ausgestellt hat und jetzt einpacken und abtransportieren will. Seit frühester Kindheit malt Siegfried Räth. „Wir waren drei Kinder zu Hause und hatten nur wenig Platz. Das Zeichnen war wichtig für mich, weil ich mich dadurch zurückziehen konnte.“ Doch ein Einzelgänger sei er nie gewesen. „Ich habe auch viel Fußball gespielt.“
So ging er nach seinem Abitur in Fulda zum Kunst und Sport studieren nach Mainz und blieb in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz bis heute. „Ich habe zunächst beide Fächer auf Lehramt studiert, habe dann aber nur mein Kunst- Diplom gemacht“, erklärt er, denn eigentlich wollte er von Anfang an Künstler sein.
Eine erfolgreiche Zeit mit zahlreichen Ausstellungen, unter anderem im Vonderau Museum in Fulda, bestärkte Räth in seinem Entschluss, von der Malerei zu leben. Er gründete das Atelier Neun mit sechs weiteren Künstlern, mit denen er eine „großartige Zeit“ gehabt habe. Doch nach acht Jahren war Schluss. „1993 gab es einen Markteinbruch, die Leute haben nicht mehr so viel gekauft.“ Eine Zeit lang hatte er noch versucht, sich über Wasser zu halten, doch als er seine Frau kennen lernte, musste er der Realität ins Auge blicken – und wurde doch Lehrer.

Düstere Phase beendet
Räth war nicht nur auf dem Boden der Tatsachen gelandet, sondern beinahe auch auf der Straße. „Bei der Wohnungssuche kamen wir uns manchmal vor wie Josef und Maria, mussten Gehaltsabrechnungen vorzeigen und wurden oft abgelehnt“, schildert Räth so ehrlich, wie ihn Günter Liebau zuvor beschrieben hat. „An Siegfried schätze ich seine große Ehrlichkeit – und sein Talent“, erklärt der Galerist und deutet auf die ausgestellten Werke.
Die Bilder, die Liebau so begeistern, zeigen vor allem Figuren, die in einen Kontext eingebettet sind – gemalt in leuchtenden, gesättigten Farben. „Früher waren meine Werke dunkel“, sagt der Künstler. Die düstere Phase habe er jedoch beendet, als die Leute auf ihn zukamen, ihn für seine Bilder lobten und gleichzeitig sagten, dass sie sich so etwas nie aufhängen würden. Manche hätten gar nicht hinschauen können. „Ich will zwar Betroffenheit erzeugen, aber nicht so.“
Nachdenklich wird der Wahlmainzer dann selbst, als er erzählt, dass er seinen Hauptberuf Lehrer vor allem ausübt, um Künstler sein zu können. „Nur von Kunst leben geht nicht, man würde nicht genug zum Leben verdienen, schon gar nicht wenn man Frau und Sohn hat“, sagt der Mann, der, wenn es um sein Privatleben geht, besonders zurückhaltend ist.
Geht es jedoch um seine Kunst, dann taut er auf. Ein ganz und gar nicht uneitler Siegfried Räth kommt zum Vorschein. „Ich male nicht, um mir die Bilder in den Keller zu stellen. Ich hoffe schon, dass sie einmal entdeckt werden“, sagt er und schon sprudeln Erklärungen aus ihm. Er beschreibt Details, die erst beim zweiten, dritten, vierten Hinschauen sichtbar werden. „Bei meinen Bildern muss man schon mehrere Blicke riskieren, um zu erkennen, was sie aussagen wollen.“
Je länger Räth erzählt, desto klarer wird: Seine wahre Berufung ist die Malerei. „Das ist eine Arbeit, die mich voll und ganz ausfüllt.“ Manchmal sogar ein bisschen zu sehr, denn seine Frau beschwere sich oft, dass er zu wenig schlafe. Doch der Künstler wehrt ab: „Wenn es fünf Stunden sind, geht’s mir gut“, sagt er. Besonders dann, wenn er in seinem Atelier zum Pinsel greifen und an seinem Werk weiter arbeiten kann, von dem er hofft, dass es irgendwann doch einmal entdeckt wird.

Von Ute Fiedler, Bericht der Fuldaer Zeitung vom 14. Oktober 2008


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