Skulpturensommer: Unbekleidete und andere Torsi

Die beiden "Torsi" des Fuldaer Künstlers Robert Sturm sind Teil der sehenswerten Gruppenausstellung Skulpturensommer im Außengelände der Galerie Liebau.
Foto: Galerie Liebau


Bea Nolte-Schunck
BURGHAUN Gerade jetzt zur wärmeren Jahreszeit hat die Galerie Liebau nicht nur ein sehenswertes Innenleben, sondern auch eine besondere Außenwirkung: Dafür sorgt der Skulpturensommer, der im Garten und auf dem Dach des Burghauner Ausstellungsgebäudes kunstvolle Blüten treibt.

Bis zum 25. September locken ganz unterschiedliche plastische Werke im gepflegten Grün, und diese Mischung ist allemal intensives Betrachten wert. „Der Skulpturensommer zeigt die Bandbreite der bei uns vertretenen Kunstrichtungen – von den realistischen Menschendarstellungen Andreas Krämmers bis hin zu den reduzierten Raumformen von Roland Mayer und Alf Becker“, betont Galerist Günter Liebau. Krämmer hat die Plastiken „Die Hockende“ und „Frau im Wind“ beigesteuert. Wie die letztgenannte Arbeit anregend verdeutlicht, reizt es diesen Künstler, „das Statuarische der Bildhauerei“ mit Bewegung zu verbinden. So wiegt sich die Unbekleidete aus Bronze genießerisch im Wind, sie scheint dessen treibende Kraft zu lieben, die nicht nur Blätter beflügelt. Krämmer ist in seinem Schaffen durch das Tanztheater und dabei besonders von Pina Bausch inspiriert.

Werke Roland Mayers werden in der Galerie Liebau derzeit innen und außen präsentiert. Im Garten fällt die rostige Stahlskulptur „Satelliten“ ins Auge: Der Mittelteil wird von markanten Gebilden „umkreist“, wobei Mayer solchen Form-Mischwesen die Bezeichnung „Quarebus“ (aus Quadrat, Rechteck und Kubus) gegeben hat. Seine Arbeit „Einkerbungen“ ist eine – noch nicht rostige – Stahlstele mit einem Zwischenstück aus rotem Granit. Das Miteinander der verschiedenen Materialien hat spielerischen Charme, wozu der Rhythmus der Formenkomposition entscheidend beiträgt.

Begegnungen von Stein und Stahl
Ein Neuzugang für die Bildhauergruppe der Galerie ist Alf Becker. „Auch er spielt mit Kontrasten und Harmonien zwischen Stein und Stahl. Schwerpunkt vieler seiner Werke ist die Balance“, erläutert Liebau. Zu Beckers Blickfängen im Garten zählt „Großes X“, bei dem roter Stahl und dunkler Diabas buchstäblich aneinander stoßen, sich aber nicht abstoßen. Grundsätzlich ist für den Bildhauer spannend, wie sich natürliches und von Menschen gemachtes Material zueinander verhalten. Stein und Stahl begegnen sich beispielsweise auch in Beckers Arbeit „Departure“, die sehr leicht und beschwingt wirkt.

Auf dem Dach der Galerie warten Werke von Ulrich Barnickel, unter anderem „Als sie auszog“. Die aussagestarke Stahlfrau hat lange Beine und zieht sich offensichtlich ein Kleidungsstück über den Kopf. Vielleicht streift sie gerade ein Stück Leben ab, das Vergangenheit geworden ist.

Liebaus ansprechendes Werk „Himmelsknospe“, das dem Edelstahl eine florale Note gibt, findet sich am Kegelspielradweg, im oberen Teil des Grundstücks. Der unvergessene Robert Sturm ist mit Torsi vertreten, die zum Prägenden seiner eindrucksvollen Kunst gehören. Im Garten stellen außerdem aus: Rotraud Hofmann, Michael Jastram, Winfried Koczy, Claudia Krentz, Samir Nanoo und Giovanni Vetere.

Von Beatrix Nolte-Schunck, Bericht der Fuldaer Zeitung vom 12. Mai 2011


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