Spannende Stilmischung: Skulpturen und Gemälde in der Galerie Liebau

Bruno Obermann will der »immer schneller und komplizierter werdenden Welt« mit seiner Kunst »etwas entgegensetzen«. Hier sein Gemälde »Fliehende Hirsche«.
Foto: Karlheinz Burkhardt


Eine anregende Melange aus markanten Skulpturen und eher zarten Gemälden ist die Ausstellung Obermann/Mayer, zu sehen bis 5. Juni in der Galerie Liebau. Bei der Vernissage wurde sie von Günter Liebau mit sichtlicher Freude als „spannend“ bezeichnet.

Es gibt Charakteristika, die für das Schaffen des Malers Bruno Obermann und des Bildhauers Roland Mayer gleichermaßen gelten: „Beide abstrahieren sehr stark und arbeiten im expressiven Bereich“, erläuterte der Burghauner Galerist.

Obermann aus Netphen bei Siegen malt – wie Liebau beschrieb – mit dynamisch breitem Pinselstrich, verlaufenden Farbflächen und dem Mut zu mitunter großen Stellen weiß bleibender Leinwand. Oft arbeitet der 1956 geborene Autodidakt in Mischtechnik unter Verwendung von Acrylfarbe, Marmormehl und Sand, wobei manchmal Fundstücke in die Bilder einbezogen werden. Er ist der Überzeugung: „Unsere Welt wird immer schneller und komplizierter. Es wird Zeit, dass die Kunst dem etwas entgegensetzt.“ Obermanns Werke sind, wie er selbst sagt, einfacher geworden und grenzen sich deutlich von alles sagenden Plakaten ab. Mit seinen Bildern will er keine Geschichten erzählen. „Ich möchte vielmehr eine atmosphärische Stimmung schaffen, die es erst ermöglicht, Geschichten entstehen zu lassen.“ Liebau bescheinigte dem Künstler, mit Farbe, Strich und Struktur eine Musik ohne Text zu komponieren – anders als in der realistischen Malerei. Er nannte dessen neue Arbeiten „unwahrscheinlich leicht, frühlingshaft und schwebend“. So tun Obermanns Bilder wie „Leicht und Schwer“ oder „Frisches Gras“ den Augen gut, weil sie duftig sind und zugleich fern von kontrastfreier Süßlichkeit.

Roland Mayer (Raubling bei Rosenheim) ist ein studierter, international gefragter Bildhauer. Er wird zu vielen Fachsymposien eingeladen und hat etwa eine Großskulptur für den Olympiapark in Peking geschaffen. „Seine Skulpturen sind in sich verschränkte geometrische Formen, die miteinander korrespondieren“, erläuterte Liebau. Wie verschieden sie das tun, lässt sich an der Marmorarbeit „Duett“ und der eigenwilligen Kleinskulptur-Serie „Quarebus“ ablesen. Bei dieser Serie stellt auch der Titelbegriff eine Mayer-Schöpfung dar – mit Silben von Quadrat, Rechteck und Kubus. Ein zeitlos schöner, im wahrsten Sinne runder Hingucker ist sein Marmorporträt einer Schlaufe. Viel Aufmerksamkeit verdient auch seine Serie „Lebensraum“ aus sechs Relieftafeln mit Architekturformen und beispielsweise Kunstrasen aus Fußabtreterstücken. „Ich möchte zeigen, wie wir in die Umwelt eingreifen und wie die Welt immer künstlicher wird“, betonte der 1954 in Burghausen geborene Bayer. Als sehr naturbezogenen Gegensatz dazu empfindet Mayer seine „Landart“-Objekte. Diese meist sehr luftigen Gebilde aus verdrahteten Ästen setzen Akzente in der Landschaft und sind in der Burghauner Ausstellung als Katalogabbildungen präsent.

Live und gewohnt virtuos war bei der Vernissage der Gitarrist Rainer Rueppell zu erleben.

Von Beatrix Nolte-Schunck, Bericht der Fuldaer Zeitung vom 17. April 2011


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Künstler der Galerie Liebau | Bildhauer Roland Mayer

Arbeiten von Roland Mayer in der Galerie Liebau:
Ausstellung "Skulpturensommer 2012" | 13. April bis 30. September 2012

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