Strukturen voller Leben: Der Künstler Günter Liebau

Der Galerist Günter Liebau im Interview mit dem ÜWAG-Magazin "StarkStrom", Ausgabe 3/2011.
Foto: Wolfgang Fallier, Poppenhausen


Günter Liebau im Gespräch mit dem ÜWAG-Magazin Fulda: Kunst begeistert und fasziniert


Dass Günter Liebau sich zu Farben hingezogen fühlt, hat er wohl seinem Vater zu verdanken. Der nämlich war Malermeister. In der väterlichen Werkstatt in Neukirchen (Gemeinde Haunetal) lernte der 1947 geborene Liebau als Junge jene Materialien, Werkzeuge und Hilfsmittel kennen, mit denen er sich zeitlebens beschäftigen sollte, und viele Tipps vom Vater gab es dazu.

Vor allem Spachtelmassen hätten es ihm damals angetan, berichtet Liebau. Schon als Jugendlicher träumte er davon, einen Beruf zu wählen, der etwas mit Kunst zu tun hat. So absolvierte er am damaligen Pädagogischen Fachinstitut Fulda (dem Vorläufer der heutigen Hochschule) ein Studium im Fach Kunsterziehung und Werken und wurde 1970 Kunstlehrer an der Ritter-von-Haune-Schule in Burghaun. „Mit Kindern zu arbeiten hat mir immer Freude bereitet. Ihre Unbefangenheit und die Spontanität ihrer Malerei und Gestaltung haben mich als Kunsterzieher sehr beeindruckt“, erklärt Liebau.

Der Beruf des Kunstlehrers ließ ihm Zeit für eigene Arbeiten, und bis heute entstehen viele davon auf Grundlage der Spachteltechnik: Auf eine Unterlage aus wasserfestem Sperrholz trägt Günter Liebau Spachtelmasse auf, in die er oft noch andere Materialien (z. B. Pflanzenteile) einarbeitet. Es entsteht ein strukturierter Untergrund, der dann in vielen Schichten eingefärbt wird. Blau ist seine Lieblingsfarbe, die Farbe des Himmels und des Meeres, das er liebt.

Liebaus dreidimensionale Strukturobjekte sind voller Leben. Je nach Tageszeit und Lichteinfall wirken sie anders. Solche Überraschungseffekte seien ihm wichtig, sagt er, und es sei jedes Mal spannend zu sehen, wie die selbst gemischten Farben nach dem Trocknen zur Geltung kommen.

Werke ganz anderer Art sind Liebaus „Raumformen“. Diese Plastiken sind zumeist hoch, vielfach aus Stahl und primär mit Spachtelmasse gestaltet. Das gibt ihm großen Spielraum, seine künstlerischen Visionen umzusetzen. Er konzipiert, zeichnet, baut ein Modell und realisiert es dann gemeinsam mit versierten Handwerkern. Ähnlich wie seine Spachtelbilder wirken auch die Raumformen aus jedem Blickwinkel anders.

Nein, die Ideen seien ihm in all den Jahren niemals ausgegangen, meint der Burghauner Künstler und holt seine Entwurfkarten hervor. Viele Dutzend Inspirationen hat er da skizziert. Wenn er Lust verspürt, kreativ tätig zu werden, braucht es nie lange, bis er in dieser Sammlung etwas Passendes findet.

Günter Liebau ist es ein Anliegen, Erwachsenen und Kindern die Faszination der Kunst näherzubringen. Doch weil die Schule die meiste Zeit des Jahres seine Anwesenheit erforderte und er deshalb viele Einladungen zu Ausstellungen absagen musste, entschied er sich eines Tages, eine eigene Galerie aufzumachen und andere Künstler zu sich einzuladen. 15 Jahre ist das her. 85 Ausstellungen waren es inzwischen, im Schnitt mit jeweils 400 Besuchern. International bekannte Künstler wie Willi Sitte, Jesper Neergaard, Jens Lorenzen und das Ehepaar Kubach-Kropp haben bei ihm ausgestellt und das kleine Burghaun auf der Landkarte der deutschen Kunstszene verewigt.


Günter Liebau im Profil

Können Sie sich an Ihr erstes Kunstwerk erinnern?
Liebau: Das war 1968 mein erstes Spachtelbild „Strukturlandschaft“, das ich auch zum Examen eingereicht habe. Es war der Beginn einer Serie, die sich über viele Jahre hinzog.

Worin liegt für Sie die Faszination der Kunst?
Liebau: Kunst bedeutet für mich Freiheit und Freiräume. Ein Künstler kann sich den Luxus gönnen, zweckfrei zu arbeiten.

Welches ist für Sie persönlich Ihr wichtigstes Werk?
Liebau: Mein Bild „Innen liegendes Geheimnis“, das seine besondere Spannung aus der Dreidimensionalität schöpft.

Was wäre für Sie ein künstlerischer Traum?
Liebau: Mit meiner Galerie und dem Skulpturengarten habe ich mir meinen größten
Traum bereits erfüllt. Hier habe ich zusammen mit anderen Künstlern schon viele, viele Menschen erreichen können.


Quelle: Interview mit Günter Liebau im ÜWAG-Magazin "StarkStrom"


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