Werke von Krebs und Rießbeck in der Galerie Liebau

Der Maler Gerhard Rießbeck und Bildhauer Ernst Krebs auf der Vernissage in der Galerie Liebau.
Bildquelle: Fuldaer Zeitung


Mit der sehenswerten, winterlich geprägten Ausstellung „Illusion, Transparenz, Entdeckung“ startet die Burghauner Galerie Liebau in das neue Jahr.

Galerist Günter Liebau präsentiert bis 25. März Werke von Ernst Krebs und Gerhard Rießbeck, wobei die sehr gelungene Kombination eine künstlerische Hommage an Schnee, Eis und Glas ist.

Rießbeck beschäftigt sich mit der kargen, klimatisch extremen Landschaft der Polarregionen. Bisher zweimal hat er an Expeditionen des Alfred-Wegener-Instituts mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ teilgenommen – 2001 in die Arktis, 2005 in die Antarktis.

Der in Bad Windsheim Lebende sieht sich als „Expeditionsmaler“, und die Anführungszeichen sind ihm wichtig. Expeditionsmaler früherer Tage, die irgendwann von Fotografen und Filmteams abgelöst worden sind, arbeiteten als Begleiter der Forscher (und Entdecker) möglichst dokumentarisch. Als Heutiger in dieser Rolle kann Rießbeck seine künstlerische Freiheit entfalten, kann scheinbar objektiv oder stark assoziativ zu Werke gehen. „Ich benutze das klassische Medium der Ölmalerei, um den Kontrast meiner subjektiven Dokumentation zu der hoch technisierten Datenerhebung der Wissenschaftler zu betonen“, erläutert er. Rießbeck malt eindrucksvoll die kalte Majestät des Eises, dessen unnahbar-gewaltige Schönheit, die menschliche Grenzen vor Augen führt. Aber der Künstler thematisiert auch die Bedrohtheit dieser wichtigen Eisreservoire: Das Gemälde „Reisegesellschaft“ zeigt auf einem trostlos grauen Meer ein abgebrochenes Stück Eisscholle, das einigen nummerierten Menschen in dicker Schutzkleidung noch Platz bietet.

Dort scheint sich eine makabre maritime Variante der „Reise nach Jerusalem“ zuzutragen: Wer bleibt, wenn vom Eis fast nichts mehr übrig ist? Einen starken Akzent setzt Rießbeck auch mit Kopfporträts von Vermummten mit Gesichtsschutz – vermutlich Forschern in der Kälte. „Es sind Menschen, die uns anschauen, deren Gesichter wir aber nicht sehen“, beschreibt Liebau das Besondere. Wie er sagt, sind es neuere Werke Rießbecks, die bunte nordische Häuser in viel Schnee zur Geltung bringen.

Sehr renommiert und vielfach ausgezeichnet ist auch Ernst Krebs (München), der als Virtuose der Glaskunst einen Namen hat. Eigentlich sind seine Werke nicht winterlich, aber eine gewisse Verbindung besteht: Seine herrlich klaren, gegossenen Glasblöcke ähneln Eisblöcken, und seine Objekte mit blauem Glas erinnern aus bestimmten Blickwinkeln an das Türkis mancher Gletscher. Apropos Blickwinkel: Die Werke von Krebs sind in ihrem Facettenreichtum mit Spiegelungen, Brechungen und Farbspielen schwer zu beschreiben; man muss sie direkt auf sich wirken lassen – noch mehr als Rießbecks Gemälde.

Krebs schafft es durch Sägeschnitte, beispielsweise Diagonalen und Labyrinth-Strukturen in die Glasblöcke hinein zu arbeiten. Wie reizvoll die Kombination von zusammengesetzten Glaswürfeln mit Goldfolie oder kobaltblauen Glaselementen ist, zeigen „Goldene Mitte“ und „Blaue Kaaba“.

Liebau erklärte bei der gut besuchten Vernissage, dass es sehr begrüßenswert wäre, wenn die Vorgänge im politischen und öffentlichen Leben ebenso transparent wären wie die Objekte von Krebs.

Von Beatrix Nolte-Schunck in der Fuldaer Zeitung vom 15.01.2012


Mehr lesen über Ernst Krebs und Gerhard Rießbeck:
Künstler der Galerie Liebau | Bildhauer Ernst Krebs
Gast-Künstler | Maler Gerhard Rießbeck

Arbeiten von Ernst Krebs und Gerhard Rießbeck in der Galerie Liebau:
Ausstellung "Illusion – Transparenz – Entdeckung" | 13. Januar bis 25. März 2012

Arbeiten von Ernst Krebs in der Galerie Liebau:
Ausstellung | 13. April bis 30. September 2012

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